VOR 20 JAHREN IM FALTER

Vorwort | aus FALTER 07/05 vom 16.02.2005

Das war mal wieder präzise: Ich wollte ein Cover abgebildet haben und gab an die Produktion die Information weiter, das Cover der Ausgabe vom 7.-20. Februar 1985 abzudrucken. Dabei hatte ich nicht bedacht, dass der Falter zu jener Zeit zwei Cover hatte, das Cover des Programmhefts mit dem schönen Titel HEFT, und das eigentliche Falter-Cover. Dieses kam, anders als von mir geplant, nicht zur Abbildung und wird deshalb hier nachgeholt. Und zwar auch deswegen, weil es aus den letzten Tagen der Falter-Tätigkeit des Designers Ecke Bonk stammt, einer Phase, in der wir uns nach großen Mühen der Verständigung (das wunderbare Lügendeutsch der Historiker!) darauf geeinigt hatten, es einmal nicht mit der Darstellung von Fundgegenständen oder für sich selbst stehendem Bildzeug zu versuchen, sondern mit der Anpreisung von "Inhalten". So fiel eine Bastion des Antijournalismus nach der anderen, und am Ende wurden wir zu dem, was wir heute sind: Journalisten. Aber das dauert in dieser Kolumne noch 20 Jahre. Reden wir also von etwas anderem.

  Von Graz zum Beispiel. Dort war der Falter auch vor 20 Jahren schon einmal neu. Aus der Rubrik "Falter über Falter": "Der Kulturchef der Grazer Südost-Tagespost, Wolfgang Arnold, freut sich in seinem eigentlichen Leibblatt, der Neuen Ordnung (Nr. 12/84) unisono mit Hans Sassmann, dem Generaldirektor des Styria-Verlags, dass der Trend nach rechts geht. Die Ursache: ",Die Linken' haben so entsetzlich viel an Niveau verloren! Kein Vergleich mehr mit ihren Vorgängern Polgar, Kraus, Tucholsky, die man zum Teil heute noch mit Genuss lesen kann." Als Beispiel zieht Arnold den Falter 21/84 herbei, der sich damit befasste, was die rechten Kreise rund um die Neue Ordnung alles von sich geben, wenn sie sich unter sich fühlen. Höhnisch konstatiert er einen "brav antifaschistischen Geist". O tempora, o mores! A. T.


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