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Kultur | WOLFGANG KRALICEK | aus FALTER 07/05 vom 16.02.2005

Vorarlberg-Wochen in Wien: Auf beiden dietheater-Bühnen sind derzeit freie Produktionen aus dem westlichsten Bundesland zu Gast. Das 1988 gegründete Projekttheater Vorarlberg zeigt im dietheater Konzerthaus das 1988 von George Tabori bei den Wiener Festwochen uraufgeführte "Frauen.Krieg.Lustspiel" (bis 19.2.). Das Stück des DDR-Autors Thomas Brasch erzählt mehrfach gebrochen von zwei deutschen Frauen, die von Schlachtfeld zu Schlachtfeld (Erster Weltkrieg, Troja, ein Schachbrett) getrieben werden. Der Text, in dem es ziemlich brechtelt und heiner-müllert, wird übrigens von drei Nichtvorarlbergerinnen auf die Bühne gebracht: Regisseurin Susanne Lietzow ist Tirolerin, die Schauspielerinnen Maria Hofstätter und Martina Spitzer stammen aus Oberösterreich. Obwohl die beiden gut harmonierenden Frauen auf zum Teil ziemlich witzige Weise Krieg spielen, ist der neunzig Minuten lange Abend etwas anstrengend - aber das war, wenn ich mich recht erinnere, bei der Uraufführung auch nicht anders.

Das 1989 in Vorarlberg gegründete Aktionstheater Ensemble gastiert im dietheater Künstlerhaus mit einer Produktion, die Regisseur Martin Gruber voriges Jahr zum 15. Geburtstag seiner Gruppe inszeniert hat. "Revue Revue. Kunst ist sinnlos" (bis 17.2.) ist ein kurzes Singspiel um einen sterbenden Künstler, das als Satire auf den verlogenen Kunstbetrieb gemeint, aber trotzdem ganz lustig ist. Neben den Vorarlberger Lokalheroen Tone Fink und Raimund Jäger (der als "Tschako" auch in Wien eine berühmte Szenefigur war) stöckelt unter anderen die Wiener Diseuse Lucy McEvil über die Bühne, die Songtexte sind auf charmante Weise bescheuert ("Solidarität mit Obst!"), und am Ende debütiert Grün-Abgeordnete Ulrike Lunacek in einer stummen Rolle. Der beste Gag des Abends aber kommt gleich zu Beginn: Da ist zu hören, wie das Büro von Franz Morak auf dem Anrufbeantworter die Nachricht hinterlässt, dass der Staatssekretär nicht zur Premiere kommen kann.


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