KUNST KURZ

Kultur | NICOLE SCHEYERER | aus FALTER 07/05 vom 16.02.2005

Die Skulpturen von Werner Feiersinger sehen wie alltägliche Gegenstände aus, die in ihrem industriellen Fertigungsprozess irgendwo stecken geblieben sind. Unweigerlich schießen einem Ideen durch den Kopf, was da noch fehlt, und man beginnt den Objekten Prothesen anzutragen, um sie "ganz" zu machen. Neben der Methode der Subtraktion gehört die Verwendung von massiven Materialien zu den Charakteristika des 1966 geborenen Künstlers. Wenn Feiersinger in seiner überzeugenden Schau in der Galerie Martin Janda (bis 5.3.) etwa eine grüne Plastik in Form eines Mülleimers zeigt, dann wurde diese aus zentnerschwerem Stahl gegossen. Auch die scheinbar leichte weiße Konstruktion, die dem Besucher gleich beim Betreten der Galerie entgegenkrabbelt, wurde aus Stahlbändern gefertigt. Feiersinger ist ein Fan des modernistischen Architekten Le Corbusier, zu dessen Werk er mit Fotoarbeiten Fährten legt. Bei diesen Detailaufnahmen von Bauten handelt es sich um Angelpunkte, an denen sich Feiersingers eigenes Werk weiterentwickelt.

  Auch die Kunst der Malerin Esther Stocker strebt zusehends in den Raum. In der Galerie Krobath Wimmer (bis 5.3.) hat die vorjährige Otto-Mauer-Preisträgerin nun eine labyrinthische Struktur aus schwarzen Holzbalken gebaut. Stockers stets schwarz-weiße Gemälde lösen einen visuellen Sog aus, wie er aus der Op-Art bekannt ist. Ihre aktuelle Installation versetzt diese Bilder gleichsam ins Dreidimensionale; der Titel "Was sind das für Gegenstände, die wir voraussetzen" stammt von dem analytischen Philosophen W.V.O. Quine. Fragen der Wahrnehmung begreift Stocker offenbar als Erkenntnisprobleme und die Kunst als sinnliches Mittel, solche abstrakten Gedanken darzustellen. Den Schritt von der Fläche in den Raum meistert Stocker mit virtuoser Leichtigkeit; in ihrem Labyrinth werden sich aber garantiert viele anstoßen, weil sie den Balken hinter sich eben nicht voraussetzen.


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