Die schöne Gewöhnlichkeit

Stadtleben | WOLFGANG PATERNO | aus FALTER 07/05 vom 16.02.2005

WOHNKULTUR In Wien gibt es 2300 Gemeindebauten mit 220.000 Wohnungen. Eine Ausstellung erforscht jetzt dieses stadtspezifische Wohnbiotop. 

Es ist dieses außerordentliche Gemeindebaukulturgefühl. Lisi Schleicher, 31, drückt im Lift den Knopf E, ihr Kopf neigt sich hinunter zum verrutschten Teppichbelag. Sie sieht eine Socke, blau, rot, grün, mit weißen Linien, mit Sicherheit, das weiß Schleicher, lag das Kleidungsstück vor einer guten Stunde noch nicht im Lift. "Da schau", sagt sie, "eine Socke! Das gibt es auch bei uns im Gemeindebau." Sie sagt es so, als ob das Wort "Socke" ein Platzhalter wäre, für den man ohne viel Aufhebens auch ziemlich viel anderes einsetzen könnte. Zum Beispiel: Familie mit acht Kindern. Grölende Fußballfans. Oder David Beckham.

  Schleicher lebt mit ihrer halbwüchsigen Tochter Ginger seit einigen Jahren im Eldersch-Hof, einem kleinen, zwischen 1931 und 1932 erbauten Gemeindebau in der Leopoldstadt. Schöne Gewöhnlichkeit ist hier zu finden: Über


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