LEBEN IM BAU

Tonis trautes Heim

Stadtleben | aus FALTER 07/05 vom 16.02.2005

Toni Maroni will eine Gemeindebauwohnung in Wien, aus seiner Istanbuler Wohngemeinschaft ist er rausgeflogen - Küchenabwaschprobleme: Toni bevorzugt saubere, knoblauchgeruchfreie Teller, seinen Kumpanen ist das nicht so wichtig. Toni Maroni macht sich also auf den Weg nach Wien - und erhält hier nur vermittels seiner Faustkampfkunst eine Wohnung im Gemeindebau. Der Teilzeit-DJ und Student Patricio Canete, Jahrgang 1976, hat in seiner Filminstallation über Toni Maroni einen Hau-drauf-Film aus dem Jahre Schnee mit neuen Untertiteln (und neuen Darstellern, etwa einer "Dagi Kolera") versehen - und so das immer noch drängende Problem "Ausländer im Gemeindebau" leichthin thematisiert.

  Das Leben im Gemeindebau, in der Mythenzertrümmerungsausstellung im Rabenhof finden sich dazu ganz unterschiedliche Zugänge: Mitinitiatorin Barbara Guwak, 32, nähert sich etwa dieser Thematik über eine Art Sprachexperiment an. In einem Leuchtkasten zeigen drei Fotos unterschiedliche Gemütszustände einer Person. Untersucht wird dabei das gemeindebauimmanente "Geh schleich di" - in dreierlei Ausprägung: traurig, aggressiv und neugierig. Der Fotograf Niki Weitzer, dreißig und aufgewachsen in einem Gemeindebau in der Karolinengasse, hat seine Verwandten im Gemeindebau fotografiert - und einprägsame Augenblicke mit seiner Großmutter und seinem Onkel festgehalten. Auf einem Foto zu sehen: ein nackter Mann in Unterhose, der sich am Herd etwas brutzelt - traditioneller Gemeindebau in Reinkultur.

  Einer darf natürlich nicht fehlen: Ernst Hinterberger, Erfinder des Gemeindebauheros Mundl Sackbauer und selbst Gemeindebaubewohner seit fünfzig Jahren, hat einen elegischen Text beigesteuert.

Die Ausstellung ist bis 25. April im Theater Rabenhof, 3., Rabengasse 3, geöffnet. Fr-Di, 14-18 Uhr. Infos: www.ichlebeimgemeindebau.at


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