PHETTBERGS PREDIGTDIENST

Der Voll-daneben-Scheiß

Stadtleben | aus FALTER 07/05 vom 16.02.2005

... Da erschienen plötzlich vor ihren Augen Mose und Elija und redeten mit Jesus ...

Mt 17,1-9 (Evangelium am 2. Fastensonntag eines Lesejahres A)

Ich hatte immer geglaubt, einmal werde ich mir "Den Schuh des Manitu" anschauen, und es kam nie dazu, und gestern war es so weit. Und es war der größte Scheißdreck, den die Erde je hervorgebracht hatte, weil er ja so gerühmt wurde, und Milliarden in die Kinos gingen, und nun war er gestern im Fernsehen, und ich hatte sogar ein bisschen eine Gänsehaut der Freude. Sie hatten auch so viel Werbung gemacht, und der Hauptdarsteller Bully hatte früher lange Haare und trug versaute Bluejeans, sodass ich mich freute. Vor Jahren strahlten sie aus, wie der Bully und der Old Shatterhand am Marterpfahl hingen und der Old Shatterhand sagte zum Bully, er solle ihm den Arsch auslecken, und der antwortete so gekonnt: "Ja wie denn?" Und es eröffnete sich sofort allen, dass er das auf der Stelle tun würde, wenn er nicht angebunden wäre. Und natürlich freute ich mich da, endlich ein diskutabler Film. Aber das war der Höhepunkt des Streifens, alles andere war Stuss. Sie erdachten sich was und filmten es dann.

  Aber du darfst dir nichts ausdenken, um es zu filmen. Das ist ein heiliger verrückter Akt, der große Weihen braucht, bis das Sakrament sich ereignet. Eine manische Persönlichkeit muss in unbeschreiblichen Nöten was schreiben. Daran muss sie de facto verhungern, zumindest exekutiert und delogiert werden, dann müssen Jahrzehnte vergehen, und dann müssen extra zwei völlig Verzweifelte miteinander vögeln und die Kondome vergessen, die kriegen dann ein Kind, das sie aber überhaupt nicht brauchen können, und das Kind wächst in unbeschreiblichen Verhältnissen auf und hat eine einzige Stiefoma dritten Grades, die mit dem Baby täglich ein Eckerl Enzian-Käse, ein gekochtes Ei und eine Tomate sich teilt. Und dann wird das Kind, weil es von allen geschnitten wird, Regisseur, entdeckt am Flohmarkt das Werk und verfilmt es in hündischer Anbetung, aber scheißt sich nichts. So entstehen die großen Filme.

Die ungekürzte Version des "Predigtdienstes" ist über www.falter.at zu abonnieren.


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