Café Prüde

Politik | aus FALTER 08/05 vom 23.02.2005

DISKRIMINIERUNG Ein lesbisches Pärchen wurde aus dem Wiener Kaffeehaus Prückel gestampert.

Zwei junge Frauen, um die dreißig. Die eine kommt gerade vom Zahnarzt, die Wange noch ganz betäubt, die andere umarmt sie zum Trost. Drei, vier Bussis gibt's auch. Zu viel für das Prückel. Die resolute Wirtin Christl Sedlar tritt auf und macht dem Paar klar, dass sie aufhören oder das Kaffeehaus verlassen müssen. Schade, meinen die Frauen, "das war unser Lieblingscafé".

  Werden Lesben in dem Kaffeehaus, das heuer seinen hundertsten Geburtstag feiert, diskriminiert? Der Falter schickte ein Heteropaar im selben Alter zum Testschmusen an den Stubenring. Und es passierte - nichts.

  Sind Homosexuelle im Prückel also nicht mehr erwünscht? Nein, sagt Sedlar, die sich an den Vorfall an einem späten Vormittag Mitte Jänner erinnert, "aber die beiden haben sich sehr unsittlich umarmt". Sie hätte auch schon schmusende Heteropärchen aus dem Lokal gestampert - "sonst mach ich gleich ein Puff auf". Und schließlich habe sie die beiden Frauen mittlerweile schon wieder gesehen. Diesmal hätten sie sich "anständig" benommen und durften deshalb bleiben. E. W.


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