Weills Erben

Kultur | SEBASTIAN FASTHUBER | aus FALTER 08/05 vom 23.02.2005

MUSIK Das gefeierte US-Duo Dresden Dolls kommt mit seinem ausdrucksstarken "Brechtian Punk Cabaret" live über Wien. 

Der erste optische Eindruck täuscht. Diese weiß geschminkten Puppenclowns sind mitnichten das neue Traumpaar todessehnsüchtiger Gruftizirkel und haben generell mit finsteren Gothic-Gefilden nichts am Hut. Dazu trägt Brian Viglione, der männliche der Dresden Dolls, viel zu gern eine Kopfbedeckung, die in eine ganz andere Welt und Zeit gehört: die Melone.

  Das künstlerische Universum des aus Boston stammenden Duos dreht sich um die Goldenen Zwanziger, um die Gesten der Stummfilmära und die Musik von Brecht/Weill, gebrochen allerdings mit der Hysterie der "Rocky Horror Picture Show" sowie der Rotzigkeit von Punk. Die Dresden Dolls machen Musik, wie man sie so garantiert noch nie gehört hat. Gerade in Zeiten einer strengen Formatierung der Musiklandschaft und einer daraus resultierenden Austauschbarkeit der meisten Akteure stößt sie auf besonders offene Ohren.


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