STANDPUNKT

Halbe Sache

Politik | aus FALTER 09/05 vom 02.03.2005

Also was jetzt? Jahrelang forderte die SPÖ ein Recht auf Teilzeitarbeit für die Eltern. Im letzten Wahlkampf lenkte die ÖVP ein - nun haben zumindest Mitarbeiterinnen größerer Betriebe einen Anspruch darauf, bis das Kind sieben Jahre alt ist. Und jetzt passt es den roten Politikerinnen wieder nicht. Die Zweite Nationalratspräsidentin Barbara Prammer kritisiert, dass immer mehr Frauen Halbtagsjobs nachgehen; ÖGB-Vizepräsidentin Renate Csörgits verlangt von der Regierung "mehr Vollzeitarbeitsplätze für Frauen". Der typische Zickzackkurs der SPÖ? Das Problem ist diffiziler. Gut ausgebildete Frauen mit guten Jobs könnten es sich leisten, ein paar Jahre kürzer zu treten. Viele Unternehmen kapieren aber nicht, welche Vorteile das auch für sie hätte - fast gleich viel Engagement für weniger Geld, wertvolles Know-how geht nicht verloren -, und verbannen Teilzeitarbeiterinnen aufs Karriereabstellgleis. Hier sind Regierung und Wirtschaft gefordert. Schlechter qualifizierte Frauen hingegen schlagen sich oft mit einem oder mehreren Nebenjobs durch. Sie brauchen von der Politik bessere Kinderbetreuungsangebote. Aber selbst wenn diese Frauen dann eine Vollzeitstelle ergattern, können sie davon mehr schlecht als recht leben. Hier kommt auch die Gewerkschaft in die Ziehung. Die könnte sich nämlich längst stärker dafür einsetzen, dass die Löhne in Frauenbranchen steigen. E. W.


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