Kein Wunderjahr

Politik | ERWIN LANC | aus FALTER 09/05 vom 02.03.2005

ESSAY Der Zerfall der Monarchie, der Austrofaschismus, die Anschlussbewegung und die Naziherrschaft: Viele schmerzvolle Erfahrungen führten Österreich zu Staatsvertrag und Neutralität. 

Staatsvertrag und Neutralität - die Republik feiert heuer zwei Säulen ihrer Identität. Doch beide Errungenschaften fielen der Nation nicht einfach in den Schoß. Bis zu jenem 15. Mai 1955, als Außenminister Leopold Figl am Balkon des Belvedere den Staatsvertrag präsentierte, machten die Österreicher einen langen, harten Lernprozess durch, der bis heute in einem gebrochenen Verhältnis zur eigenen Geschichte resultiert.

  Ein Blick zurück: Der Vielvölkerstaat Österreich-Ungarn war die Konzeption einer um die Reformen des Joseph II. gemilderten Gegenreformation. Seine Niederlage im Ersten Weltkrieg führte zum Zerfall in Nationalstaaten, ohne dass dieses Prinzip auch auf Deutschösterreich angewendet wurde.

  Der Tscheche Thomas Garrigue Masaryk, der Italiener Victor Emanuel, selbst der Ungar


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