FERNSEHEN

Medien | JULIA ORTNER | aus FALTER 09/05 vom 02.03.2005

"A unglaubliche G'schicht", pflegte mein liebster Ex-Vorgesetzter gerne zu tirolern, wenn ihm eine Sache merkwürdig erschien. Ich musste an ihn denken, als ich die unpackbare Songcontest-Ausscheidung sah. "song.null.fünf" hatte ja in Wirklichkeit nur eine Mission: Verhindern, dass Alf Poier noch mal zum Schlagerfestival fährt und dort dieses unser schönes Land deppert hinstellt. Dafür wählten die sinistren Unterhaltungsmacher extra ein Votingsystem, bei dem nicht der absolut Stimmenstärkste gewann - nämlich Poier - sondern jedes Bundesland ungeachtet der Stimmenanzahl gleich viel Punkte verteilen konnte. Manipulation gehört ja zum Geschäft - sie sollte bloß nicht so plump daherkommen. Ganze fünf Bands durften mitmachen und dafür je zwei Songs trällern. "Wir wollen Ihnen mehr Auswahlmöglichkeiten geben", erklärte Moderator Christian Clerici treuherzig. Jetzt macht eine dämliche Umtataschlagerdirndljodeltruppe in Kiew für uns einen auf Patriotismus. Aber solange das spaß-, erotik- und intellektfreie Moderatorenpaar Clerici-Weichselbraun uns dort nicht vertritt, ist ja alles halb so wild.


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