SPIELPLAN

Kultur | CHRISTOPHER WURMDOBLER, WOLFGANG KRALICEK | aus FALTER 09/05 vom 02.03.2005

Salzburger Kindermädchen bringt den Trapp-Kindern das Singen bei, verliebt sich in den Vater, man heiratet, flieht vor den Nazis und macht als "Trapp-Family" in den USA Karriere: Richard Rodgers' und Oscar Hammersteins Musical "The Sound of Music" von 1959 kennt man auf der ganzen Welt. Nur in Österreich nicht. Jetzt hat es die Volksoper zum ersten Mal im Programm. Und zwar bieder und brav, ohne jegliche Ironie. Regisseur Renaud Doucet erzählt die flache Story im Operettensetting, das lokale Popsternchen Sandra Pires debütiert "quirlig" in der Hauptrolle, die Kinder sind zuckersüß wie die Musik. Und dann marschieren die Nazis (böse: Thaddäus Podgorski) in den Saal ein, man singt vorm Hakenkreuz und wird von echten Deutschen Schäferhunden gesucht. Die Volksoper stellt sich schon mal auf internationale Besucher ein und übertitelt das Ganze englisch. Frau Pires dürfte für die nächsten dreißig, vierzig Jahre einen fixen Job haben. Und wer weiß, vielleicht heiratet sie ja eines Tages noch den Wiener Bürgermeister.

So gut kann ein Stück wahrscheinlich gar nicht sein, dass es im Volkstheater nicht vergeigt werden kann. "Change" (1969) von Wolfgang Bauer ist ein sehr gutes Stück. Der Wiener Künstler Fery (Toni Böhm) und der Kritiker Reicher (Fritz Hammel) wollen den Sankt Pöltner Hobbymaler Blasius Okopenko (Erwin Steinhauer) zum Star aufbauen und dann fallen lassen, der zynische Plan geht aber nach hinten los. Die Geschichte einer "Manipuläschn" ist nicht nur eine witzige Satire auf den Kunstbetrieb, sondern erzählt auch anschaulich vom spießigen, brutalen Chauvinismus der 68er-Generation. Im Volkstheater ist davon, 36 Jahre nach der Uraufführung am selben Haus, wenig zu sehen. Georg Schmiedleitners Inszenierung pendelt hilflos zwischen Klamauk und Stilisierung; von der Besetzung (Heinz Petters als Tunte!) über das Bühnenbild, von der Musikauswahl bis zur Textbearbeitung stimmt hier fast gar nichts. Im Volkstheater ist es höchste Zeit für einen Change.


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