Euter der Morgenröte

Kultur | ERICH KLEIN | aus FALTER 09/05 vom 02.03.2005

KUNST Zwei Ausstellungen russischer Malerei zeigen, wie leidenschaftlich in der frühen Sowjetunion um eine neue Kunst gerungen wurde: Das Mumok präsentiert die Avantgarde-Sammlung Costakis, die Albertina Bibel-Bilder von Marc Chagall. 

Zwei gesichtslose Strichmännchen, die eine Art Bahre tragen, deren Tragfläche aus einem schwarzen Quadrat besteht. Das Bild stammt von Kasimir Malewitsch (1878-1935), dem Anherrn der modernen Kunst, und mutet wie die Grablegung einer ganzen Kunstepoche an. Als die Zeichnung zwischen 1928 und 1932 entstand, war Stalin gerade darangegangen, Kunst und Kultur gleichzuschalten: Im Zeichen des sozialistischen Aufbaus waren kraftstrotzende Arbeiter und eifrige Heldenmelkerinnen gefragt, keine unverständlichen Abstraktionen.

  Die 400 im Museum moderner Kunst gezeigten Bilder, Grafiken, Skulpturen, Architekturentwürfe und Gebrauchskunstwerke aus der Sammlung Costakis ermöglichen einen völlig neuen Blick auf die Kunst der russischen Avantgarde in ihrem Anfangsstadium.


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