NÜCHTERN BETRACHTET

Wohlstandsdepro Weekend-Wohning

Kultur | aus FALTER 09/05 vom 02.03.2005

Seit Jahren leide ich unter einer Wohndepression. Das ist ein weit verbreitetes, allerdings therapeutisch und literarisch noch unterbetreutes Phänomen. Deswegen möchte ich allen Leidensgenossinnen und Leidensgenossen an dieser Stelle sagen: Schämt euch nicht, ihr seid nicht alleine, ja, vielleicht sogar eine stumme Mehrheit! Es muss freilich hinzugefügt werden, dass es in meinem Fall nur eine leichte und luxuriöse Variante von Wohndepression ist. Wer zu dritt auf 52 Quadratmetern wohnen muss, hat supergute Gründe, wenn ihm nicht alle Tage nach öffentlichem Seilspringen unter Absingen frohsinnigen Liedguts ist. Wir Wohlstandsdepros hingegen sind ja tatsächlich selber schuld, wenn die Espressomaschine auf der Wäschespinne oder der Billardtisch im Swimmingpool steht. Trotzdem kann es einen sauer ankommen, wenn die Wohnlandschaft von Schichttorten aus Bügelwäsche, CDs und flachen Teigwaren dominiert wird. Deswegen habe ich jetzt eine neue Wohnung. Die alte aber auch noch. Irgendwo

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