STANDPUNKT

Väterchen Frust

Politik | aus FALTER 10/05 vom 09.03.2005

Nun sind also plötzlich alle dafür: Jungvätern soll es leichter gemacht werden, nach der Geburt mindestens einen Monat bei Frau und Kind zu Hause zu bleiben. Damit sie gleich eine Beziehung zu ihrem Butzerl aufbauen, die sie später verleitet, selbst in Karenz zu gehen. Und damit sie sehen, wie viel Arbeit ein Neugeborenes macht, auf dass sie ihren Frauen eine Frage ersparen mögen: "Was machst du eigentlich den ganzen Tag?" In Schweden gibt es einen solchen "Papamonat" schon. Die Väter erhalten dort in der Babypause achtzig Prozent ihres letzten Einkommens. Dafür bekommt eine Frau nur dann zwölf Monate lang Karenzgeld, wenn ihr Partner den Monat absolviert hat. Jetzt sind sich in Österreich also alle einig, dass so ein Vatermonat eine gute Sache wäre. Wobei schwarze und blaue Politikerinnen dabei an weniger Zwang, rote und grüne an mehr Geld denken. (Nur der Ring Freiheitlicher Wirtschaftstreibender ist dagegen, aber der wird nach den Kammerwahlen nächste Woche wohl ohnehin in der Bedeutungslosigkeit versinken.) Das heißt, ein derartiges Gesetz wird spätestens Anfang 2006 in Kraft treten? Leider nicht. Aktionen, die Frauen das Leben leichter machen sollen, dauern oft etwas länger. Man erinnere sich nur an den Wahlkampf 2002: Damals stritten sich alle Parteien geradezu darum, wer den 1000-Euro-Mindestlohn für jeden Vollzeitjob erfunden habe. Realität ist er immer noch nicht. E. W.


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