KUNST KURZ

Kultur | NICOLE SCHEYERER | aus FALTER 10/05 vom 09.03.2005

Ein Effekt, den wahrscheinlich jeder Amerika-Reisende kennt: Laufend gerät man an Orte, die einem unheimlich bekannt vorkommen. Das ist kein Wunder, denn gewisse Plätze kehren in US-Filmen ständig wieder. Karina Nimmerfall interessiert sich für dieses vertraute, medial vermittelte Raumgefühl. Für ihre Ausstellung "Second Unit" in der Galerie Grita Insam (bis 9.4.) hat die Künstlerin Schauplätze von amerikanischen Fernsehserien unter die Lupe genommen. Eine begehbare Videoinstallation führt in einen auf Stellwände projizierten Raum der TV-Serie "CSI". Ein menschenleeres Wohnzimmer wird so von verschiedenen Blickwinkeln aus sichtbar. Unheilvolles Licht dringt durch das Fenster, eine Zigarette qualmt vor sich hin. Die komplizierten Prozesse der digitalen Collage und Verfremdung lassen sich nur durch die Künstlichkeit der Atmosphäre erahnen. Bei den eleganten Foto-Text-Arbeiten "Cinematic Maps" hat Nimmerfall die Adressangaben recherchiert, die in der Serie "Law and Order" als Zwischenbilder eingeblendet werden. Es handelt sich durch die Bank um Baulücken oder fehlende Hausnummern.

Seit geraumer Zeit befindet sich im ersten Stock des Griechenbeisls der Kunstraum Plattform. Die aktuelle Schau von Gerald Nestler (bis 15.3.) stellt Vergleiche zwischen den Systemen Ökonomie und Kunst an. Für den 1964 geborenen Künstler, der selbst längere Zeit als Börsenbroker gearbeitet hat, werden beide Bereiche von Emotionen geleitet, dieses Faktum aber in der Wirtschaft geleugnet. Mit der Neonschrift "Enlitement - formerly Voltaire, Diderot, Jefferson et al incorp." spielt Nestler auf die Ausdünnung der demokratischen Aufklärungsideale durch wirtschaftsliberale Entwicklungen an. Außerdem werden die Ausstellungsbesucher dazu eingeladen, auf eine der von Nestler als Kurven dargestellten Börsenoptionen zu setzen. Am Ende der Schau wird anhand der auf einem Bildschirm in Echtzeit festgehaltenen Börsenentwicklung der Gewinner ermittelt.


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