VOR 20 JAHREN IM FALTER

Vorwort | aus FALTER 11/05 vom 16.03.2005

Selten kommt Enthusiasmus bei Kollegen vor; wenn, dann nur bei guten. Echte Begeisterung meine ich, nicht das ortsübliche Schulterklopfen aus Haberei oder Berechnung, unter dessen Verdacht dann auch der wirkliche Enthusiasmus gerät. Den will einem dann keiner mehr glauben.

  In Falter 4/85 (Unterzeile: "2 Wochen Wien und Graz") war so ein Ausnahmefall zu bestaunen. Die Architekten Eichinger oder Knechtl beschrieben das soeben eröffnete Lokal "Kiang", gestaltet von den Architekten Richter-Gerngroß, ein Lokal, dessen Qualität sich nicht zuletzt darin erweist, dass es noch immer unverändert existiert und nach wie vor zeitgenössisch anmutet.

  "Das Kiang ist ein Restaurant, es ist eine Bar - es ist Architektur, die chinesische Tradition und Weisheit in europäische Geschichte kleidet. Es ist ein ,gebauter Gedanke' ohne ästhetische Attitüden. Und es ist ,modern' in des Wortes freudiger und hoffnungsfroher Bedeutung. Man wird hier eines zumeist nicht entdeckten Verlustes gewahr: der eigentlichen Bedeutung von ,modern'", schreiben Eichinger oder Knechtl. "Und: wie oft wir um den waren Sinn und die Bedeutung von ,modern' betrogen werden. Modern, das kann ein Gefühl sein, eine Intensität, zumindest aber eine Überraschung." Und so sprachen sie fort und lobten die moderne Architektur der Herren Gerngroß-Richter und richteten ihr Lob als Kritik gegen das grassierende Neobiedermeier.

A. T.


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