Die gnadenlosen Richter

Vorwort | FLORIAN KLENK | aus FALTER 11/05 vom 16.03.2005

KOMMENTAR Ein 17-jähriger Ladendieb muss für 18 Monate in den Knast. Kein Einzelfall. Wiens Jugendrichter verlieren den Verstand. 

Wer den Wiener Justizpalast betritt, gelangt in eine wuchtige Säulenhalle. Sie symbolisiert die Macht des Rechts. Steht sie auch für republikanische Aufklärung? Über der zentralen Stiege sitzt Justitia mit verbundenen Augen. Das Recht sollte "ohne Ansehen der Person" gelten. Keine Rede davon: Kürzlich betrat ein Ladendieb die Marmorstiege, in Handschellen wie ein Schwerverbrecher. Sein Fall, ein ganz normaler Alltagsfall, zeigt, wie selbst Wiens Jugendrichter (die angeblich als besonders liberal gelten) dieser Tage einfach Verstand und Verständnis verlieren. Fälle wie dieser treiben die Zahl der Häftlinge erstmals auf bis zu 10.000.

Der Fall könnte Anlass sein, dieses Strafgesetz mit seiner absurden Definition der "Gewerbsmäßigkeit" zu ändern. Er sollte dazu führen, dass sich Strafrichter wieder auf ihre Aufgabe besinnen: Recht zu sprechen, anstatt


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