Guerillamentalität

Politik | ROBERT MISIK | aus FALTER 11/05 vom 16.03.2005

PROTESTKULTUR Deutschlands Geisteswelt verbeißt sich in einen Dutschke-Streit: Der 68er-Wortführer soll als Urvater des Terrorismus demontiert werden. 

Zu Weihnachten ging es noch besinnlich zu: Da brachte die taz - die Berliner Tageszeitung - die Idee ins Spiel, eine Straße nach dem Wortführer der '68er zu benennen. Anlass: Der 25. Jahrestag von Dutschkes Tod am 24. Dezember 1979. Und es sollte nicht irgendeine Straße sein, sondern die Kochstraße, aus der das Hochhaus des berüchtigten Springer-Konzerns (Bild, Welt) ragt, vor dem 1968 die Barrikaden brannten. Es wäre zum Zerkugeln, müssten die Springer-Leute künftig "Rudi-Dutschke-Straße" auf ihre Visitenkarten drucken. Die Mehrheit der zuständigen Bezirksverordneten hält die Idee übrigens für verfolgenswert.

  Doch keine drei Monate später tobt jetzt ein Dutschkestreit in Feuilleton und Geisteswelt. Angezündet haben diesen nicht irgendwelche bornierte Rechte, sondern das renommierte Hamburger Institut für Sozialforschung.


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