WHO IS DUTSCHKE?

Kommunist, Anarcho & Wortführer

Politik | aus FALTER 11/05 vom 16.03.2005

Wer, werden Spätgeborene sich vielleicht fragen, ist eigentlich dieser Dutschke, über den sich die Deutschen da streiten? Vergangene Woche (genau: am 7. März) hätte er seinen 65. Geburtstag gefeiert, wäre er nicht vor 25 Jahren in seiner Badewanne ertrunken. Dieser tragisch-groteske Tod war übrigens die Spätfolge eines Schussattentats, das Dutschke 1968, am Höhepunkt seines Ruhms, aus der Bahn und letztlich nachhaltig aus dem öffentlichen Leben warf. Davor war er Wortführer des "Sozialistischen Deutschen Studentenbundes" und dessen radikalster Fraktion, der "Subversiven Aktion" - ein revolutionärer Kommunist mit Anarcho-Einschlag. Er sprach schwer verständliche, endlos mäandernde Sätze, in einem heute beinahe ausgestorbenen, seltsam ostpreußischen Tremolo, in ihm paarten sich aber auch Charme und Charisma, sodass er zur Heldenfigur einer Generation wurde. Er propagierte die "antiautoritäre Einstellung", wollte in einem Großexperiment den "neuen Menschen" schaffen, er war überzeugt, dass "die Politisierung unmittelbarer Bedürfnisse des Alltagslebens subversive Sprengkraft entfalten kann". Oftmals hingen, wenn er sprach, Tausende an seinen Lippen - stundenlang.

Wolfgang Kraushaar, Jan Phillipp Reemtsma, Karin Wieland: Rudi Dutschke, Andreas Baader und die RAF. Hamburg 2005 (Hamburger Edition). 143 S., E 12,-


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