ANMERKUNGEN DES CHRONISTEN

Vom Schmerz des Erinnerns

Politik | ARMIN THURNHER | aus FALTER 11/05 vom 16.03.2005

Das Buch entstand 1994 nach mehreren auf Tonband festgehaltenen Gesprächen. Insgesamt sprach ich 24 Stunden lang mit Leon Zelman. Das war nicht immer leicht, denn die Erinnerung war stark und überwältigte ihn bisweilen so, dass er nicht vermochte, weiterzusprechen. Auch gibt es bei aller journalistischen Neugier Grenzen, an denen man nicht mehr fragt, an denen ich weder weiterfragen wollte noch fragen konnte. Wir beide fanden es erleichternd, diese Gespräche nicht in seiner Wohnung oder in seinem Büro zu führen, sondern in neutralem Ambiente: im Café Gerstner, das mittlerweile selbst Geschichte geworden ist, wie man sagt. Es hat zugesperrt.

  Mir ist bewusst, wie prekär es ist, ein Erinnerungsbuch dieser Art zu schreiben. Nicht wegen jener Polemik, die neuerdings gegen "Geschichtspolitik" oder "Erinnerungspolitik" laut wird. Sondern der Schwierigkeiten wegen, die es mit sich bringt, wenn man "jemandem seine Stimme leiht". Es ist nicht einfach, Dinge aufzuzeichnen, die man nicht


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