Vom Grill

Latein, anybody?

Steiermark Stadtleben | Mathias Grilj | aus FALTER 11/05 vom 16.03.2005

Leichten Herzens", sagt Theaterdirektor Fontheim, verlasse er das Schauspielhaus nicht. Dass er nicht so abgebrüht ist, wie es scheint, rührt uns zu Tränen. Der Mann unterschreibt in Graz einen Vertrag bis 2008 und stellt sich dann in Freiburg und in Mainz um Intendanten-Jobs an. In Mainz erfolgreich. Da gratulieren wir aber! Wie wir auch der Opernintendantin Stone gratuliert haben, als sie sich hinterrücks in Chicago beworben und mitten in der Saison - "Bye, bye!" - aus einem gültigen Vertrag nach Chicago vertschüsst hatte.

Zugleich grübeln wir, was diesem Menschenschlag eine Unterschrift gilt, ein Handschlag, eine Abmachung. Ob man von solchen Leuten ehrliche Antwort erwarten darf, wenn man sie zum Beispiel nach der Uhrzeit fragt. Ob der genug Latein beherrscht, um den Grundsatz "pacta sunt servanda" begreifen zu können - Verträge sind einzuhalten. So schlicht - und offensichtlich so ungültig.

Kulturstadtrat Buchmann meint nun, Reisende solle man nicht aufhalten. Er denkt nicht an sonst in solchen Fällen durchaus übliche rechtliche Schritte. Dass Buchmann ein Mann der Noblesse ist, nehmen wir gern zur Kenntnis. Doch hat er in seinem Job mit Leuten zu tun, die sich das Recht auf - metaphorisch gesagt - einen Tritt erworben haben. Und um dieses Recht darf man gerade als Ehrenmann niemanden bringen.


Diese Artikel könnten Sie auch interessieren:


Anzeige

Anzeige