Wolke in Hosen

LEOPOLD FEDERMAIR | Extra | aus FALTER 11/05 vom 16.03.2005

POETIK Raoul Schrott und Franz Josef Czernin ziehen aus, um die Dichtung zu ihrem Ende zu bringen. 

Als Raoul Schrott vor einigen Jahren "Die Erfindung der Poesie" in die Welt setzte, wurde ihm von einem Kritiker das Epitheton "Überflieger" verpasst. Derlei Schlagworte lenken in der Regel vom Denken ab, statt dazu anzuregen; in diesem Fall aber scheint mir das Wort treffend. Schrott überfliegt gern ein paar zig Jahrtausende Literaturgeschichte, Jahrtausende Menschheitsgeschichte, und gern wagt er sich ins Vorgeschichtliche oder erhebt sich augenzwinkernd zu den Wolken und über sie hinaus.

  Augenzwinkernd, das ist das Schöne. Sein "Handbuch der Wolkenputzerei" macht diese Haltung deutlich, denn Schrott nimmt sich selbst nicht so ganz ernst. Mehrmals gebraucht er den Ausdruck "Hochstapler", und zwar im positiven Sinn: Der Felix Krull der deutschen Literatur zu sein, das wäre kein so schlechter Platz auf dem Parnass. Von dieser Hochstapelei gibt auch das "Handbuch" allerlei Kostproben.

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