Die Kunst des Nein

Extra | JÖRG MAGENAU | aus FALTER 11/05 vom 16.03.2005

PSYCHOTHRILLER Karl-Heinz Ott erzählt in "Endlich still" das Drama eines Mannes, der nicht Nein sagen kann. 

Als Spinoza-Experte hat man wenigstens für jede Lebenslage ein passendes Zitat. Dieses hier zum Beispiel: "Wer klar einsähe, dass er auf dem Weg des Verbrechens besser sein Leben und Wesen genießen könnte als auf dem Weg der Tugend, wäre dumm, wenn er es nicht täte."

  Damit tröstet sich der Ich-Erzähler in Karl-Heinz Otts zweitem Roman "Endlich Stille", nachdem ihm die Dinge gründlich entglitten sind. Seit er eine Philosophieprofessur in Basel ergattert hat, ist seine Antriebskraft erschlafft. Freunde trifft er nur noch selten, weil das Kommunizieren so anstrengend ist. Mehr als Spinoza kann man in einem Leben sowieso nicht bewältigen. Nun aber ist er aus seinem behäbigen Dasein so weit herausgeschleudert worden, dass er Spinozas Frage nach Gut und Böse nur noch als "kleinmütigen, ans Lächerliche grenzenden Begriffsklimbim" wahrnehmen kann. Kein Zweifel: Dieser


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