Zum Sprechen gebracht

Extra | KONSTANZE FLIEDL | aus FALTER 11/05 vom 16.03.2005

SPRACHE UND MACHT Mit ihrem schmalen "Wörterbuch" ist Jenny Erpenbeck ein überaus dichtes Buch über die Mechanismen von Diktaturen gelungen. 

Diktatur, die: auf unbeschränkte Vollmacht einer Person oder Gruppe gegründete Herrschaft in einem Staat" - so steht es im Wörterbuch. Jenny Erpenbecks neuer schmaler Band heißt "Wörterbuch", der Begriff "Diktatur" findet sich darin aber nicht, jedenfalls nicht so. Erzählt wird stattdessen die Geschichte eines Kindes, dessen erste "heile" Wörter "Vater und Mutter", "Ball" und "Auto" sind. Erzählt wird, wie dieses Kind größer wird und wie zwischen Wörtern und Wirklichkeit ein Abgrund entsteht, in den "Vater und Mutter" schließlich hineinstürzen. Denn der Vater war nicht nur Funktionär des Unrechtsstaates, dieser Funktionär war am Ende nicht einmal der richtige Vater: Das Mädchen ist durch Zwangsadoption an seine Eltern geraten, wie man sie in Argentinien unter der Militärdiktatur ausübte an Kindern von Gefangenen und Verschwundenen


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