Erfundene Wahrheiten

Extra | STEPHAN STEINER | aus FALTER 11/05 vom 16.03.2005

WERKPORTRÄT Edgar Hilsenrath hat den Horror des 20. Jahrhunderts selbst erlebt und auf unsentimentale Weise dargestellt. Nun wird sein Werk neu aufgelegt. 

Edgar Hilsenraths Eintritt in die Literaturszene glich einer Bruchlandung: 1964 erschien sein Romanerstling "Nacht", der das Leben und Sterben in einem Ghetto in Transnistrien schilderte - dem an das mit Nazideutschland kollaborierenden Rumänien gefallenen Teil der Ukraine. Hilsenrath kannte die Umstände aus erster Hand: Er selbst hatte zweieinhalb Jahre im Ghetto von Moghilev-Podolsk überlebt. Er schilderte einen "Warteraum des Todes" (Jean Améry), in dem die Grenzen zwischen Opfern und Tätern zum Verschwimmen gebracht wurden und aus dem sich die Hoffnung gänzlich zurückgezogen hatte. In dieser Gegenwelt waren heroische Tugenden für den Überlebenskampf nicht nur gleichgültig, sondern geradezu gefährlich.

  Angesichts von Hilsenraths ungeschminkten Beschreibungen wurde verlagsintern und vonseiten mancher Kritiker der Vorbehalt


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