HOLOCAUST

Unmenschliches Überleben

MARTIN DROSCHKE | Extra | aus FALTER 11/05 vom 16.03.2005

Die andauernde Befürchtung, dass mir ein falsches Wort herausrutschen könnte, charakterisierte mein Sprechen noch Jahre nach dem Krieg", schreibt der 1932 in Czernowitz geborene Ahron Appelfeld in seiner Autobiografie. In seiner Heimat Israel gilt der Schriftsteller vielen als Nestbeschmutzer, denn seine rund zwanzig Bücher verweigern den Opfern des Holocaust die pauschale Ehrerbietung. Die als Teil des israelischen Gründungsmythos beschworene Solidarität der Verfolgten bleibt eine Ausnahme. Appelfelds Fokus liegt auf der Ohnmacht, die die Juden in den Ghettos und KZs zu Wölfen hatte werden lassen, denn nicht wenige fielen über ihre Brüder her, um selber zu überleben.

  Die "Geschichte eines Lebens" ist Ahron Appelfelds Begründung, weshalb es ihm nicht möglich war, anders über den Holocaust zu erzählen. Er war neun Jahre alt, als ihm während einer Deportation die Flucht gelang. Zwei Jahre nach der Mutter hatte er damit auch den Vater verloren. Er versteckte sich in den Wäldern

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