ESSAYS VON CONNIE PALMEN

Fanatismus und blutende Fiktionen

THOMAS ASKAN VIERICH | Extra | aus FALTER 11/05 vom 16.03.2005

Die niederländische Schriftstellerin Connie Palmen wurde vor zehn Jahren von einem älteren Verehrer aufgesucht. Einem echten Fan. Der sich in ihren ersten Roman und ihr Foto verliebt hatte und ihr eröffnete: "Ich wollte Sie ermorden. Aus Liebe."

  Es blieb bei der Ankündigung. John Lennon, Gianni Versace oder Pim Fortuyn hatten weniger Glück: Sie fielen Attentätern zum Opfer, die enttäuscht von ihren Idolen waren.

  In ihrem klug und anschaulich geschriebenen Essay untersucht die studierte Philosophin nun, was sich aus diesen Taten über unsere Gesellschaft ablesen lässt. Und kommt dabei naturgemäß auf die Frage der Identität: Wer Schwierigkeiten hat, in der realen Welt seine Identität zu finden, sucht sie sich in der Fantasie und identifiziert sich mit seinem Idol. "Fanatismus ist selbst gewählte Unfreiheit und damit eine Entscheidung für die Freuden der Verantwortungslosigkeit."

  Der Mörder von Lennon erlag dem Irrglauben, keinen Menschen, sondern bloß ein Image zu

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