Amputiertes Leben

Extra | KARL WAGNER | aus FALTER 11/05 vom 16.03.2005

KULTURGESCHICHTE Per Olov Enquist erfindet in "Das Buch von Blanche und Marie" das 19. Jahrhundert neu. 

Sofort merkt man: Hier schreibt einer, der es kann, tut und das obendrein auch noch weiß. Letzteres ist (mir), um es gleich vorweg mit allem Respekt zu sagen, ein Zuviel des Guten. Nur ein glücklich Besitzender oder alles Wissender wie Roland Barthes konnte einmal dekretieren, dass der von ihm selbst so genannte "kulturelle Code" eines Textes das Langweiligste überhaupt sei. Im vorliegenden Fall einer kulturgeschichtlichen Erzählung, nicht aus dem 19. Jahrhundert, sondern über diese viel geschmähte Epoche, hat Enquist die reichsten (und mittlerweile scheinbar bekanntesten) Quellen ausgeschöpft, um Leser wie dich und mich zu gewinnen. Gekonnt spielt sein Roman die wissenschaftlichen und gesellschaftlichen Konfliktpotenziale der vorigen Jahrhundertwende ein und spitzt sie so zu, dass das Erfundene sich weder dem Makel des Beliebigen aussetzt, noch das Gefundene in den Geruch eines


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