Rabauken ohne Verfallsdatum

ERICH KLEIN | Extra | aus FALTER 11/05 vom 16.03.2005

WIEGE DER DICHTUNG Der Assyrologe Stefan Maul hat das Gilgamesch-Epos in freien Rhythmen rekonstruiert: ein Stück zeitlose Literatur. 

Rilke nannte "Gilgamesch" ein "Epos der Todesfurcht", Elias Canetti bezog aus der Lektüre der sumerisch-altbabylonisch-assyrischen Dichtung aus dem sechsten vorchristlichen Jahrhundert den Impuls für seinen wilden literarischen Kampf gegen den größten Skandal der Conditio humana, den Tod. Die Faszinationsgeschichte des ersten Hauptwerks der Weltliteratur ist relativ kurz: Das auf zwölf Tontafeln in Keilschrift überlieferte Epos, dessen Ursprünge bis ins dritte Jahrtausend vor Christus zurückreichen, wurde von britischen Archäologen 1872 in den Ruinen des Palastes des Assurbanipal in der assyrischen Hauptstadt Ninive gefunden. Übersetzungen ins Deutsche gibt es etliche, Raoul Schrott hat sich vor wenigen Jahren daran versucht, der jüngste und umfassendste Versuch einer Rekonstruktion in freien Rhythmen stammt vom Heidelberger Assyrologen Stefan

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