GUERILLA ZAPATISTA

Das Wort als Waffe

Extra | aus FALTER 11/05 vom 16.03.2005

Der Titel ist bezeichnend: "Diskursguerilla" nennt Anne Huffschmid ihre hervorragende Studie über die mexikanischen Zapatisten. Die deutsche Journalistin und Lateinamerikanistin hat einen Großteil der Neunzigerjahre in Mexiko verbracht. In ihrem Buch versucht sie die "Lektüre einer Rebellion" und behandelt sie den "ersten postkommunistischen Aufstand des 21. Jahrhunderts" als Text und gibt seinen Resonanzen viel Raum. Die Innenansicht dieses indigenen Aufstandes der "bewaffneten Gewaltlosigkeit", dieser "literarisch ambitionierten Kulturguerilla" ist vor allem auch deshalb brillant, weil Huffschmid, zwar hart am Exempel argumentiert und dennoch allgemein verdeutlicht, wie heute hierarchisch Niedriggestellte gegenüber Höhergestellten reüssieren können, wenn sie nur den Krieg als Sprechakt verstehen und den Konflikt als Diskurs. Im Fall der Zapatistas: Ihre Waffe ist ihr Stil, ihr Führer der "Caudillo wider Willen" mit der Wollmütze, der die "Senora Zivilgesellschaft" zum Tanz bittet.

R. M.

Anne Huffschmid: Diskursguerilla: Wortergreifung und Widersinn. Heidelberg 2004 (Wissenschaftsverlag der Autoren). 477 S., E 44,80


Diese Artikel könnten Sie auch interessieren:


Anzeige

Anzeige