Von Pyrrhon zu Pyrrhus

Extra | STEPHAN STEINER | aus FALTER 11/05 vom 16.03.2005

PHILOSOPHIE Rudolf Burger kritisiert die Erinnerungssucht der Gegenwart und spricht der Geschichte ihren Sinn ab - nicht immer mit tauglichen Mitteln. 

Der Titelheld in Balzacs Roman "Oberst Chabert" wird auf dem Schlachtfeld schwer verwundet und unter Tierleichen lebendig begraben. Erst nach Tagen und mit letzter Kraft gelingt es ihm, sich von ihrer Last zu befreien und wieder an die Erdoberfläche zu gelangen. Die Geschichte hat ihn aber bereits zum verstorbenen Helden erklärt, und alle Versuche, seine höchst lebendige Identität auf dem Rechtsweg wieder herzustellen, sind zum Scheitern verurteilt. "Ich war unter den Toten begraben; jetzt bin ich unter Lebenden begraben, unter Akten, unter Fakten, unter der ganzen Gesellschaft, die mich unter die Erde zurückjagen will!", resümiert der Oberst.

  Dem Wiener Philosophen Rudolf Burger geht es mit der Geschichte im Allgemeinen, wie es Chabert mit seiner eigenen geht: Sie droht, das Individuum zu erdrücken, produziert falsche "Wahrheiten",


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