ANTIKES FESTESSEN

Schmausen wie Lucullus

Extra | aus FALTER 11/05 vom 16.03.2005

Auch die deutsche Althistorikerin Elke Stein-Hölkeskamp glaubt nicht daran, dass sie erzählen kann, wie es wirklich gewesen ist. Doch sie gibt sich in ihrer Kulturgeschichte des antiken römischen Gastmahls überzeugt, dass sie die alten Quellen besser zum Sprudeln bringen kann, als dies bislang von der Wissenschaft geleistet wurde. Und so erklärt sie in "Das römische Gastmahl" nicht nur, wer wen zum Dinner lud und wo man welchen Gast platzierte. Vielmehr wird in Ansätzen eine kleine Sittengeschichte der Aristokratie des Alten Roms geliefert.

  Dass andere Gesellschaftsschichten fast nur durch den Blickwinkel der herrschenden Klasse vorgeführt werden, ist der Überlieferung geschuldet. Preise für Mobiliar (stets sehr beliebt und teuer: Zitrusholztische) und auserlesene Köstlichkeiten (zwar nicht Nachtigallenzungen aus Nordgallien, aber immerhin Flamingozungen) schlossen die misera plebs ohnehin von den verrücktesten Leckerbissen aus. Auch die architektonischen Entwürfe der Speisezimmer, die Stein-Hölkeskamp untersucht, waren wohl nur für die Spitzen der Gesellschaft leistbar.

  Allenthalben kann dem Werk vorgeworfen werden, dass es bisweilen zu ausführlich die einzelnen Speisen oder zu detailverliebt die Maserung der Marmortäfelung abhandelt. Der Erkenntnisgewinn bleibt beträchtlich. Feinde Ciceros dürfen sich sogar daran erfreuen, dass dieser selbst als Zeitzeuge für Kulinarisches als jener Opportunist erscheint, der er auch in seinem politischen Handeln war. Und wer Werke über antike Rezepte sucht, wird in den Anmerkungen fündig.

M. L.

Elke Stein-Hölkeskamp: Das römische Gastmahl. Eine Kulturgeschichte. München 2005 (C.H. Beck). 364 S., Euro 30,80


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