HIRNDEBATTE

Neuro-Philo-Potpourri

Extra | aus FALTER 11/05 vom 16.03.2005

Er ist nicht nur Professor für klinische Neurophysiologie und neurochirurgische Rehabilitation an der Universität Bonn, Detlef B. Linke unterrichtet auch Philosophie der Naturwissenschaften an der Privaten Hochschule Weilheim-Bierbronnen. Er ist also ein gebildeter Mann und lässt daran die Leser in seinem neuen Buch "Die Freiheit und das Gehirn" auch ausgiebig teilhaben. Sein Hauptargument gegen die Totengräber der Willensfreiheit: Das in den Libet'schen Versuchen gewählte Zeitfenster ist zu eng, letztlich ein Artefakt. Die wirkliche Freiheit des Menschen äußert sich vielmehr in Prozessen viel größerer Zeitdimension. So weit durchaus einleuchtend.

  Leider ist die Tour de Force durch die abendländische Geistesgeschichte ein wenig sprunghaft ausgefallen. Sobald ein Argument beginnt, ist das Unterkapitel auch schon wieder zu Ende, man stößt auf eine neue Überschrift - und das gelehrige Name-Dropping beginnt von neuem. Rekordverdächtig neben der Menge an Überschriften auch die Zahl der Sätze, die mit dem Wörtchen "Ich" beginnen. Weniger wäre in diesem Fall mehr gewesen.

R. C.

Detlef B. Linke: Die Freiheit und das Gehirn. Eine neurophilosophische Ethik. München 2005 (C.H. Beck). 272 S., E 20,50


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