Einfach irre

Extra | MARTIN DROSCHKE | aus FALTER 11/05 vom 16.03.2005

MEDIZIN Der britische Historiker Roy Porter hat eine Kulturgeschichte des Wahnsinns und seiner Behandlung geschrieben. 

Einer Gesellschaft durch die Therapie ihrer aus der Normalität gefallenen Mitglieder geistige Volksgesundheit zu verleihen, scheint ein wenig Erfolg versprechendes Unterfangen. Denn der Bevölkerungsanteil, der nicht in der Lage ist, sich der Norm anzupassen, ist und war in allen Kulturen derselbe. Auch hundert Jahre nach Sigmund Freud gibt es für die meisten Erkrankungen, die sich unter dem vulgären Begriff "Wahnsinn" tummeln, keine wirklich wirksamen Gegenmittel. Dieser Hintergrund erklärt, weshalb der 2002 verstorbene britische Medizinhistoriker Roy Porter in seiner Kulturgeschichte des Wahnsinns Fingerzeige auf schwarze Kapitel der psychologischen Praxis wie therapeutische Folter, Zwangssterilisation und Euthanasie weitgehend unterlässt.

  Porter interpretiert die Entwicklung seit der Antike, dennoch als eine Erfolgsgeschichte - mit einem indes noch äußerst

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