LEBENSKUNST II

Anstiftung zum Nichtstun

Extra | aus FALTER 11/05 vom 16.03.2005

Die Anleitung zum besseren Leben beginnt ganz ordentlich um acht Uhr morgens. Acht Uhr? Das ist natürlich keine Zeit, um aus dem Bett zu springen. Wie viel Elend haben doch Benjamin Franklin und andere puritanische Fleißapostel mit Aufforderungen zum frühen Tagwerkbeginn in die Welt gesetzt! Da hält es Tom Hodgkinson lieber mit Walt Whitman: gegen halb zwölf in der Zeitungsredaktion erscheinen, um halb eins dann eine zweistündige Mittagspause. "Nach dem Mittagessen noch eine Stunde Arbeit, und dann war es Zeit, sich in die Stadt aufzumachen."

  Stunde für Stunde geht Hodgkinson in seiner "Anleitung zum Müßiggang" den stressfreien Tagesablauf durch: die Qual des Aufstehens, Müh' und Plage des Vormittags, der Mittagskater. Um wie viel erfreulicher ist die Alternative: bummeln zum Vergnügen und Gewinn! Ab drei Uhr nachmittags (Mittagsschläfchen) wird's angenehm: flanieren. Angeln. Der erste Drink des Tages. Rauchen. Nichtstun daheim. Partytime. Dann wieder: der Schlaf.

  Lange hat sich Tom Hodgkinson nicht aufraffen können, dieses Buch zu schreiben, teilt der Verlag mit. Das ergibt sich aber nicht nur aus der Natur seines Anliegens: Der studierte Literaturwissenschaftler - der nach seiner Entlassung bei einer Zeitung von der Sozialhilfe lebte - präsentiert ein riesiges Archiv an literarischen und kulturhistorischen Zeugnissen rund um die Kunst des Nichtstuns.

  Ein Rezept für eine bessere Gesellschaft? Für ein besseres, gesünderes Leben, wie Hodgkinson meint? Darüber mag man nachdenken - am besten im morgendlichen Halbschlaf, nachdem man den Wecker abgedreht hat.

J. K.

Tom Hodgkinson: Anleitung zum Müßiggang. Aus dem Englischen von Benjamin Schwarz. Hamburg 2004 (Rogner & Bernhard). 376 S., e 15,90 (zu bestellen bei www.zweitausendeins.de)


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