JAZZGESCHICHTE

Während die Wiener Free-Jazz-Pioniere in den Sechzigerjahren mit handgreiflichem Widerstand zu rechnen hatte, war zur selben Zeit in New York die freie Improvisation das angesagte "neue Ding" schlechthin. Einer, der mit der neuen Freiheit besonders radikal umging, war der Saxofonist John Coltrane, dem Studs Terkel das 13. und letzte Porträt seines Buchs "Giganten des Jazz" widmet. Der legendäre Radiomann und Veteran der US-Linken (Jahrgang 1912) hat Zeit seines Lebens rund 9000 Leute interviewt, darunter den einen oder anderen Jazzmusiker. Dem Jazz galt nämlich Terkels große Leidenschaft, die auch bei der Lektüre seiner liebevollen und lebendigen Porträts der Altmeister von Louis Armstrong über Billie Holiday bis Charlie Parker und eben John Coltrane unüberlesbar ist.

Extra | aus FALTER 11/05 vom 16.03.2005

  Das berühmteste Album von Trane ist "A Love Supreme", das mit Miles Davis' "Kind of Blue" fraglos zu den größten Jazzplatten des 20. Jahrhunderts gehört. Und nachdem Ashley Kahn über "Kind of Blue" schon ein ganzes Buch geschrieben hat, hat der Musikjournalist dasselbe gleich noch einmal für Coltranes spirituelles Meisterstück aus dem Dezember 1964 gemacht: also zahlreiche Beteiligte befragt und akribische Foto- und Bandrecherchen betrieben. Herausgekommen ist dabei nicht nur eine in jeder Hinsicht fette Geschichte über "A Love Supreme", sondern über Coltrane und den Jazz ganz allgemein.

K. T.

Studs Terkel: Giganten des Jazz. Aus dem Englischen von Michael Hein. Frankfurt a.M. 2005 (Zweitausendeins). 234 S., E 14,-

Ashley Kahn: A Love Supreme. John Coltranes legendäres Album. Aus dem Englischen von Karl Heinz Siber. Berlin 2004 (Rogner & Bernhard). 343 S., E 22,-


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