Schmachtlappens Erfolg

Steiermark Kultur | MATHIAS GRILJ | aus FALTER 12/05 vom 23.03.2005

THEATER Mit Wedekinds "Musik" ist Matthias Fontheim ein geradezu berührender Abend gelungen. So, wie es Wedekind partout nicht haben wollte. 

Ein Skandal im Münchner Freundeskreis animierte den Dramatiker 1906 zu diesem "Sittengemälde in vier Bildern", dem hundert Jahre später - seien wir froh - alle gesellschaftskritischen Zähne ausgefallen sind: Verheirateter Gesanglehrer schwängert naive Schülerin, nötigt sie zur Abtreibung, deretwegen sie dann ins Gefängnis kommt. Neue Schwangerschaft, diesmal gibt es ein Kind, doch das Unglück schreitet schnell. Und nur im Wahnsinn keimt Erlösung. Das mag man bei der Uraufführung als Attacke auf bürgerliche Scheinmoral verstanden haben. Was wir heute an Erkenntnis nach Hause nehmen dürfen, heißt schnoddrig gesagt: Männer sind Schweine, Frauen sind dumm, die Kinder bald tot.

  Die Qualität des Stücks liegt im ausbalancierten Ton, der das krude Geschehen so parodistisch schildert, dass es dem Autor selbst zuwider war. Aber, so urteilte


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