ESSAY Kein Akt unschuldigen Ringens um Souveränität: Österreichs nationalsozialistisches Erbe schlägt sich in der Geschichte des Staatsvertrages nieder. 

Politik | ROBERT KNIGHT | aus FALTER 12/05 vom 23.03.2005

Als ich vor vielen Jahren die Soziologin Marie Jahoda kennen lernte, unterhielten wir uns über Österreich und sein NS-Erbe. "Es kann nicht so weitergehen", sagte sie mir mit großem Nachdruck. Sie meinte damit das gerade stattgefunden habende Jubiläum zum Staatsvertrag, das sie selbstgefällig fand. Wir schrieben das Jahr 1982.

  Jahoda hatte Recht mit ihrem Urteil, aber auch mit ihrer Prognose. Es ging nicht so weiter, wie die Jahrestage 1985 und 1988 bewiesen. Was das Jahr 2005 noch bringen wird, bleibt abzuwarten. Ohne hier der Spielverderber sein zu wollen, teile ich die Ansicht, dass es nicht die Aufgabe von Historikern ist, bei den Festlichkeiten des Staates kritiklos mitzumachen.

  In so mancher Erzählung über die Geschichte des Staatsvertrages sind Elemente eingebettet, die der Entlastung und der Ablenkung dienen. Erstens wird die Geschichte des Staatsvertrages teleologisch als eine kollektive Reise dargestellt, die auf ein Ziel hinsteuert. Hindernisse und Schwierigkeiten


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