Fragen Sie Frau Andrea

Gurkerl

Stadtleben | aus FALTER 12/05 vom 23.03.2005

Liebe Frau Andrea,

neulich saß eine Fachrunde fußballbegeisterter Männer bei mir im Wohnzimmer und gab sich das Champions-League-Spiel Arsenal London gegen den FC Bayern München. Mehr als einmal fiel der Ausdruck Gurkerl. Meine Freunde wollten oder konnten mir den Fachausdruck nicht erklären, noch dazu, wo in dem Spiel gar kein "Gurkerl" stattfand. Was, bitte, ist ein "Gurkerl", und warum klärt mich keiner auf?

Nina, Margareten, Internet

Liebe Nina,

Ihre Sportfreunde dürften einen Wiener Kickerausdruck gemeint haben. Ein Gurkerl ist ein Ball, der durch die Beine des Gegners, im besten Fall sogar durch die des feindlichen Tormannes geschupft wird. Eine größere Demütigung für einen Fußballer ist nicht denkbar. Der Terminus selbst dürfte gastrotechnisch konnotiert sein und vom Wiener Würstelstand kommen. Um nämlich Essiggurken aus einem großen Glas zu fischen, braucht es eine hölzerne Gurkenzange. Die Gurkenzange funktioniert wie eine große Pinzette. Fasst nun der Würstelmann das Gurkerl nicht mit den unteren Enden der Zange, bleibt es beim Aus-dem-Glas-Fischen unweigerlich an anderen Gurken hängen und rutscht durch die Zangenschenkel. Ein Phänomen, das wir in kleinerem Maßstab auch vom Essen mit chinesischen Stäbchen kennen. Mit Gurkenzangen lassen sich übrigens auch lästige Nacktschnecken übersiedeln, womit wir einerseits bei Schneckerl Prohaska und andererseits wieder beim Gurkerl wären.

dusl@falter.at


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