EIN BRITE KLAGT AN

"Charme? Lost in Translation"

Stadtleben | GERAINT WILLIAMS | aus FALTER 12/05 vom 23.03.2005

Das Einzige, was er an Wien vermisse, sei seine schöne Altbauwohnung, sagte mir ein guter Freund, der mittlerweile in Barcelona lebt. Sieben Jahre arbeitete er am Burgring für eine internationale Fluglinie und besuchte dabei täglich die Aida-Filiale vis-à-vis der Oper. Jeden Tag, sieben Jahre lang, bestellte er eine Melange und eine Topfengolatsche und nie, kein einziges Mal, fragte die Kellnerin: "Wie immer, mein Herr?"

  Wenn es eine Stadt gibt, deren Bewohner Schwierigkeiten damit haben, zu Fremden freundlich zu sein, dann ist es Wien. In dieser Stadt gibt es Kurse, in denen man beigebracht bekommt, am Telefon freundlich zu sein, bei Besprechungen einen guten Eindruck zu machen und sich zu bestimmten Anlässen passend zu kleiden. Ich finde, das erklärt alles.

  Dabei ist Wiens Charme unbestritten - zumindest von der Infrastruktur her betrachtet. Die gutbürgerlichen Beisln, die hübschen, stuckverzierten Stationsgebäude der U4 oder die prachtvollen öffentlichen Klos am Graben:


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