STANDPUNKT

Spaß gegen rechts

Politik | aus FALTER 13/05 vom 30.03.2005

Vergangene Woche trudelte - verpackt in einem anonymen Kuvert - ein lustiges Plakat beim Falter ein. Man sieht darauf ein Foto des Wiener FPÖ-Chefs Heinz Christian Strache, der sich als Jeansboy gestylt hat. Der Kragen seiner Jeansjacke ist etwas peinlich aufgestellt, seine Wangen wurden mit etwas zu viel Rouge geschminkt, seine Lippen mit Lipgloss gesalbt. Über dem Foto steht: "Feig, Paranoid, Öd". Und: "Wien darf nicht Kärnten werden." Noch was ereilte die Redaktion: Hikmet Kayahan, ein türkischer Sozialarbeiter und Mitarbeiter der Antirassismusstelle Zara, verschickte das sogenannte "H.C.-Lied". Frei nach Udo Jürgens heißt es da: "Ich war noch nie in Istanbul, ich war noch nie am Bosporus, ging nie durch Beyoglu in zerriss'nen Jeans. Ich war noch nie in Istanbul, ich war noch niemals richtig frei, einmal verrückt sein und aus allen Zwängen flieh'n." Da passiert etwas in dieser Stadt. Kaum jemand will noch ernsthaft betroffen sein von Straches "Wien darf nicht Istanbul werden"-Plakaten (die der FPÖ schlagartig 200.000 potenzielle türkische Wähler davonjagen). Die Kritiker der FPÖ haben ihre Betroffenheit abgelegt, und sie entdecken Spaß und Spott, um blaue Karrieristen als das bloßzustellen, was sie wirklich sind: provinzielle, uncoole Spießbürger. Was Schlimmeres kann einem Law-&-Order-Politiker eigentlich nicht mehr passieren. F. K.


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