Sauteuer - aber wirkt's?

Politik | aus FALTER 13/05 vom 30.03.2005

BABY-PISA Die neue Studie der OECD löste eine heftige Debatte aus: Gibt es zu wenig Kindergartenplätze in Österreich? Und wer ist schuld daran?

Die Regierung ist schuld: Seit 2000 entspräche die Verbesserung der öffentlichen Kinderbetreuung nicht mehr "dem politischen Willen", sagt die rote Familiensprecherin Andrea Kuntzl. Die Zweite Nationalratspräsidentin, Barbara Prammer, ergänzt: Eine "Kindergartenmilliarde", wie sie es zu SPÖ-Kanzler- und Schillingzeiten gab, müsse her.

  Das sind nur zwei der Reaktionen auf die vergangene Woche vom Falter veröffentlichte OECD-Studie über Kinderbetreuung in Österreich. Laut diesem ersten von zwei Teilen des Baby-Pisa "Starting Strong" fehlt es in Österreich an Plätzen, Hochachtung vor den Pädagoginnen und Männern in der Erziehung. Jede Fraktion pickt sich nun einen anderen Kritikpunkt heraus.

  Die Länder sind schuld, meint etwa ÖVP-Familiensprecherin, Ridi Steibl, vor allem die roten. Denn Kindergärten seien nun einmal Ländersache, und das solle auch so bleiben. Trotzdem werde die Bundesregierung heuer 700.000 Euro für innovative Projekte beisteuern.

  Auch auf Wiener Ebene entspann sich ein Duell zwischen ÖVP und SPÖ, hier allerdings - ganz im Sinne der OECD - unter Männern.

  Die schwarzen Länder sind schuld, findet SPÖ-Jugendsprecher Jürgen Wutzlhofer. Die ÖVP wolle "Frauen aus dem Berufsleben drängen", deshalb sperrten vier von fünf Tiroler Kindergärten um 15 Uhr zu. In Wien wisse man seinen Nachwuchs bis mindestens 17 Uhr betreut.

  "Pure Heuchelei", gab ÖVP-Landesgeschäftsführer Norbert Walter, zurück, das rote Wien sei schuld. Ein Kindergartenplatz samt Mittagessen koste hier 260 Euro, Ermäßigungen gäbe es nur für ganz Arme. Das müsse sich endlich ändern, "sonst stellt sich die Frage: Sauteuer - aber wirkt es?"

E. W.


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