STREIFENWEISE

Kultur | MICHAEL OMASTA | aus FALTER 13/05 vom 30.03.2005

Das schmale Genre der Architekturdokumentation, oft geschmäht und selten gewürdigt, zählt nicht unbedingt zu den Aushängeschildern des aktuellen österreichischen Filmschaffens. Dennoch werden auch hierzulande Filme über Architektur produziert, und sehenswerte noch dazu. Ein schönes Beispiel dafür ist "Pessac - Leben im Labor", eine knapp einstündige Videoarbeit zweier junger Regisseurinnen, Claudia Trinker und Julia Zöller, die vorige Woche bei der Diagonale in Graz aufgeführt wurde und diese Woche (am 30. März um 19 Uhr) im Architekturzentrum Wien im Museumsquartier zu sehen ist.

  Schauplatz ist eine - bei uns in etwa mit der Werkbundsiedlung vergleichbare - Mustersiedlung für Arbeiter, die Le Corbusier in den späten Zwanzigerjahren in Pessac, nahe Bordeaux, geplant und zu einem Teil auch realisiert hat. (Nach fünfzig Häusern war sein Auftraggeber, ein Zuckerfabrikant, dann pleite.) Trinker und Zöller befragen die Bewohner, darunter mehrere Architekten, wie es sich heute dort lebt. Doch der "neue Mensch" und die "Wohnmaschine", die Le Corbusier einst vorschwebten, sind in die Jahre gekommen. Seit die winzigen Einfamilienhäuser nach und nach restauriert und wieder in ihren ursprünglichen Zustand zurückgebaut werden müssen, tobt vor Ort ein veritabler Kulturkampf.

  Kurznachrichten - erstens: die Präsentation einer neuen DVD des Filmarchivs Austria, "Das Jahr 1945", eine Kompilation historischer Aufnahmen deutscher und sowjetischer Provenienz (im Metro am 31. März um 19.30 Uhr), zweitens: "Die Dramaturgie des Blitzlichts", die Synema-Lecture mit Monika Faber im Rahmen der Retrospektive zum Film noir (im Filmmuseum am 1. April um 18 Uhr), drittens: der amerikanische Fotokünstler Allan Sekula, der zurzeit in der Secession zu Gast ist, stellt seine neue filmische Arbeit "The Lottery of the Sea" vor (gleichfalls im Filmmuseum am 2. April um 15 Uhr).


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