SPIELPLAN

Kultur | K. CERNY / W. KRALICEK | aus FALTER 13/05 vom 30.03.2005

Wenn ein Theater extra einen Roman dramatisiert, nimmt man an, dass der Regisseur etwas zu sagen hat. Hermann Hesses krudes Kultbuch "Der Steppenwolf", zurzeit am Burgtheater zu sehen, wäre das ideale Material für Kommentartheater. Man schaut, was findet man heute noch inspirierend (vielleicht die Antikriegshaltung), was ist einfach nur mehr antiquiert und lächerlich (dass Weltkrisen bei alten Männern anscheinend immer nur durch junge Frauen zu lösen sind). Regisseur Sebastian Hartmann, der lange als viel versprechender Castorf-Epigone galt, ist so handzahm, als wolle er das "Steppenschaf" inszenieren. Zuerst geht es nicht los, und dann läuft die Drehbühne auf Heavy Rotation. An der Berliner Volksbühne wäre dieser fade Abend schon vor der Premiere abgesetzt worden.

  Abschied eins: In der Gruppe 80 verabschieden sich Helga Illich und Helmut Wiesner mit Thomas Bernhards "Am Ziel" (bis 23.4.) von dem Theater, das sie vor 25 Jahren gegründet haben. Mutter und Tochter reisen ans Meer; im ersten Akt werden die Koffer gepackt, im zweiten Akt werden sie ausgepackt: So weit die "Handlung" des Stücks, das im Wesentlichen ein Monolog der Mutter ist. Illich meistert die große Abschiedsrolle souverän, die monströsen Seiten der Figur kommen allerdings kaum zur Geltung. Insgesamt ein unspektakulärer, stiller Abgang - ganz nach Art des Hauses.

  Abschied zwei: In der Volkstheater-Spielbar hat der scheidende Dramaturg Karl Baratta eine szenische Miniatur nach Motiven aus Gert Jonkes Musikerroman "Der ferne Klang" inszeniert. "Wahrscheinlich Minuten" (nächste Termine: 30. und 31.3., 2. und 16.4.) hat mehr Charme, Poesie und Witz als so manches große Jonke-Stück, das in den vergangenen Jahren am Volkstheater aufgeführt wurde. Die einstündige Late-Night-Aufführung endet mit einem Rundgang durch das leere Theater. Sentimental Journey: Die Leidenschaft für einen Text und für das Volkstheater, die hier spürbar wird, hat man in der zu Ende gehenden Ära Werner zu selten erlebt.


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