Fragen Sie Frau Andrea

Arbeit

Stadtleben | aus FALTER 13/05 vom 30.03.2005

Liebe Frau Andrea,

ich bin zuversichtlich, Sie können mir das Paradoxon des Arbeitgebens und -nehmens näher bringen. Man sagt, die Firma, die einem den Lohn bezahlt, gibt einem Arbeit. Aber ist es nicht eigentlich so, dass ICH die Arbeit verrichte, also der Gebende bin? Die mathematische Seite in mir will einfach nicht verstehen, warum ich mich als Arbeitender nicht als Arbeitgeber bezeichnen darf!

Bitte um Hilfe,

Ben Gusich, Internet

Lieber Ben,

"Die Arbeit geht aus, wer geht mit?", titelte Günther Nenning in seiner "Fackel", der legendären Diskursgazette FORVM. Das war in den Achtzigerjahren, zu einer Zeit, als Nenning zwar noch Marxist, aber schon "Wurschtel" war, wie es Kreisky ausgedrückt hatte. Als er noch nichts Grünes in sich entdeckt hatte. Lange bevor er an Morbus Kronen Zeitung erkrankte. Selbstverständlich sind jene Menschen, die im Besitz der Ressource Arbeit sind, auch Arbeitgeber. Die Nomenklatur der Begriffe ist korrupt und folgt der traditionellen Wahrnehmung des Kapitalismus, der zurfolge Maschinen und Schreibtische Arbeit generieren und nicht die Hersteller der Arbeit, die Arbeiter. Natürlich sind Arbeiter Arbeitgeber und Unternehmer Arbeitnehmer. Das Thema eigenet sich in hervorragendem Maße dazu, Reflexionen über das Stocken der Aufklärung anzustellen. Mit der Erledigung Gottes ist der Mammon an seine Stelle getreten und nicht das Individuum. Es besteht Revolutionsbedarf, meine ich.

dusl@falter.at


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