VOR 20 JAHREN IM FALTER

Vorwort | aus FALTER 14/05 vom 06.04.2005

Man kennt ihn als vielseitigen Journalisten, heute schreibt im er Wirtschaftsmagazin trend. Im Falter hat er vor 20 Jahren mit einem bemerkenswerten Artikel angefangen, der ihn dann in letzter Konsequenz aus seiner Existenz als Mittelschullehrer herausholte.

  Othmar Pruckners erster Bericht im Falter füllte gleich eine Doppelseite, aber die Reportage "Kraftfahren" war es wert. Sie berichtete von Pruckners Abenteuern als Lkw-Chauffeur, der nach Bagdad oder nach Saudi-Arabien fuhr, und lieferte zugleich spannende Lektüre und soziale Kolportage.

  "Orientfahren ist noch immer eine Belastungsprobe besonderer Art, eine Tour nach Saudiarabien oder Bagdad eine einzige, gewaltige Extremsituation. Durchschnittlich zwei oder drei Tage daheim, dann laden irgendwo in Österreich oder Umgebung, die lebensnotwendigen Sachen am Auto flicken, Konserven, Lebensmittel, Trinken für drei bis vier Wochen kaufen, Kabine einrichten. Das Carnet TIR am Hauptzollamt eröffnen und schließlich kriegt man vom Chef ein Papiersackerl mit Schilling, DM, Dollar, Dinar, Türkenlira, Syrischen Pfund, Jordan-Dinar und Saudi-Rial, zusammen vielleicht vierzig Blaue, alles bar, und zusäzlich ein gutes Kilo Papier in die Hand gedrückt. Denn der Fahrer ist nicht nur Fahrer und Mechaniker, sondern zugleich sein eigener Spediteur, Manager, Zolldeklarant, Geldwechsler und Dolmetscher. Vor allem Orientneulinge sind rettungslos überfordert, ich habe aber auch schon alte Hasen heulen sehen. Nicht erst einer hat in Istanbul nach den ersten Horrorgrenzen und Türkeikilometern seinen Hängerzug abgestellt und ist - bei einem Kollegen - am Beifahrersitz Heim geflüchtet.

  Sämtliche gutbürgerlich-mitteleuropäischen hygienischen Ansprüche sind zu vergessen, Wüstenklo und Waschen aus dem Kanister, Konservenessen, Dünnschiss, Leben auf zwei m2, schlafen mit dem nassen Handtuch auf dem Bauch ..." A. T.


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