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Vorsicht Sicherheit!

Politik | aus FALTER 14/05 vom 06.04.2005

Wien verändert sich. In den U-Bahn-Zügen sind Kameras. Der Bürgermeister erklärt den Bettlern (und nicht mehr der Armut) den Kampf. Schutzzonen werden eröffnet, in denen störende Gestalten weggewiesen werden. Roland Horn-gacher wird Polizeichef, weil er medienwirksam auf "Zero-Tolerance" setzte (er ließ sich etwa von der Krone bei der Kontrolle von Ausländern fotografieren - so als ob das sein Job wäre). Es ist Zeit, kurz innezuhalten. Wien ist eine der sichersten Städte. Warum? Sicher nicht, weil es Schutzzonen gibt. Sondern weil die Stadtväter schon im Roten Wien der Zwanzigerjahre erkannten, dass Kriminalität nicht mit Härte, sondern mit einem klugen Mix an sozialen Maßnahmen begegnet werden muss. Es ist kein Zufall, dass Gemeindebauten auch in der Cottage stehen, dass es eine Durchmischung der Bevölkerung, dafür kaum Slums und "Gated Communities" gibt. Wichtig ist auch die gute Stadtverwaltung, die dafür sorgt, dass Wien auch an den Rändern lebenswert bleibt, weil das die Zufriedenheit der Bürger hebt. Wird dieser Weg verlassen? Werden störende Menschen nun wie Müll weggeschaufelt? Viel ist vom "subjektiven Sicherheitsgefühl" die Rede, das es durch mehr Schutzzonen und Kameras zu heben gelte. Ein Teufelskreis: Denn je mehr Uniformen die Menschen sehen, desto unsicherer fühlen sie sich. Und wer Angst hat, wird Kriminalität nicht mehr als soziales Problem begreifen wollen. F. K.


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