Himmelfahrt, live

Politik | ROBERT MISIK | aus FALTER 14/05 vom 06.04.2005

KAROL WOJTYLA (1920-2005) Der Medienpapst machte sogar seinen Tod zum Event. Zuletzt war Johannes Paul II. selbst für Ungläubige und linke Agnostiker ein Superstar. Weil er, "Bollwerk des Eigensinns", mit seiner dogmatischen Starrköpfigkeit immerhin für abweichende Meinungen sorgte. 

Es ist etwas im buchstäblichen Sinne Ver-rücktes um das katholische Christentum. Man kann das doppelbödig nennen oder, wer's freundlicher bevorzugt, dialektisch: Es ist geprägt von der Verachtung des irdisch Sichtbaren und gleichzeitig Wunderzeichen gnadenlos verfallen, es verdammt den Körper und ist vollständig von ihm besessen. Hochgradig vergeistigt, kann es sich doch nicht mit dem Zugriff auf die Innerlichkeit des Gläubigen begnügen - es braucht Purpur, Pomp und Schein sowie den Träger des Glaubens, sei's der Pontifex, sei's der Heilige, sei's die Madonnenfigur. Kurzum: das Medium. Und in seinem Anachronismus ist es da ganz postmodern: The Medium is the Message, das Medium ist die Botschaft.


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