Genosse Kasperl

Kultur | WOLFGANG KRALICEK | aus FALTER 14/05 vom 06.04.2005

THEATER Der Wiener Schauspieler und Regisseur Otto Tausig musste zweimal flüchten: zuerst als Jude vor den Nazis, dann als Kommunist vor den Antikommunisten. Jetzt hat Tausig seine Autobiografie geschrieben: Szenen aus einem ungewöhnlichen Theaterleben. 

Einmal kämpfte der Burgschauspieler Otto Tausig allein gegen 56 Panzer. Die Regierung Kreisky fand damals, 1981, nichts dabei, Waffen an Militärdiktaturen zu liefern, und eines Vormittags im Juni hatte Tausig erfahren, dass sich zu Mittag 56 Steyr-Panzer auf den Weg nach Argentinien machen würden. Tausig setzte sich ins Auto, fuhr zum Steyr-Werk nach Wien-Simmering und blockierte die Ausfahrt.

  "Eine Lokomotive kam und wollte ins Werktor einfahren, um die Waggons mit den Panzern abzuholen. Ich stellte mich breitbeinig aufs Geleis und versperrte der Lokomotive den Weg", schreibt der Schauspieler in seinen soeben erschienenen Memoiren. "Da ich nicht annahm, dass man mich überfahren würde, hatte ich keine Angst - außer dass ich


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